benannt 1960



Heinrich Laube (geboren am 18. September 1806 in Sprottau, gestorben am 1. August 1884 in Wien), Schriftsteller, Kritiker und Theaterleitung.
Laube war 1848/49 Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, 1849 bis 1867 Leiter des Wiener Burgtheaters, anschließend Leiter zunächst des Leipziger, dann bis 1879 des Wieners Stadttheaters. Neben historischen Romanen und Novellen verfasste er auch Bühnenwerke, so das Schillerdrama „Die Karlsschüler“ (1846).

benannt 1971



Lilo (Liselotte) Herrmann (geboren 1909 in Berlin, hingerichtet am 20. Juli 1938 in Plötzensee), Widerstandskämpferin gegen das Naziregime.
Lilo Herrmann studierte 1929 bis 1931 Chemie qan der Technischen Hochschule Stuttgart, gehörte dem Kommunistischen Jugendverband an und lebte in Stuttgart, nachdem sie 1933 von der Berliner Universität relegiert worden war. Sie war im Widerstand der KPD im Untergrund aktiv. Sie arbeitete zuletzt als Stenotypistin im Ingenieurbüro ihres Vaters. Josef Steidle, KPD-Mitglied und maßgeblicher Leiter der Untergrundaktivitäten, übergab ihr die Kopie des Lageplans einer Munitionsanlage in der Nähe von Celle. Sie versteckte diese in ihrem Zimmer hinter dem Spiegel. 1935 wurde Lilo Herrmann von einem Spitzel denunziert; die Polizei fand den Plan und verhaftete sie am 11. Februar 1936. In einem geheim gehaltenen Prozess vom 8. bis 11. Juni 1937 wurde sie vom zweiten Senat des Stuttgarter Volksgerichtshofs wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Es war das erste politische Todesurteil gegen eine Mutter im nationalsozialistischen Deutschland – Lilo Herrmann hatte einen vierjährigen Sohn. Ein Stuttgarter Häftling floh nach seiner Entlassung in die Schweiz und verbreitete die Nachricht. Daraufhin erhob sich in Westeuropa und Skandinavien ein Sturm des Protestes. Auch in Deutschland wurden Flugblätter verteilt, die eine Begnadigung forderten. Hitler lehnte ihr Gnadengesuch ab. Am 20. Juli 1938 wurde Lilo Herrmann, unter anderem mit Josef Steidle, in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

benannt 1960

 

Gemälde der Schlacht von Solferino von Carlo Bossoli

Nach der Schlacht bei Solferino (1859), einem italienischen Dorf in der Provinz Mantua, unter deren Eindruck Henri Dunant 1863 das Rote Kreuz gründete.

benannt 1960



Theophil Wurm (geboren 1868 in Basel, gestorben 1953 in Stuttgart).
1933 bis 1949 Landesbischof der Evangelischen Kirche in Württemberg und 1945 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Wurm wandte sich als einer der Wortführer der „Bekennenden Kirche“ gegen die Totalitätsansprüche des Dritten Reiches und setzte sich mutig für die innere und äußere Freiheit des christlichen Bekenntnisses ein.

Der Ursprung des Stadtteils geht jedoch zurück bis ins Jahr 1730 – urkundlich erwähnt mit der Errichtung einer Fasanerie durch Herzog Eberhard Ludwig v. Württemberg auf der Gemarkung Kleinaichen in Echterdingen. Diese wurde vom Nachfolger Karl Alexander erweitert bis ins Jahr 1742.

Herzog Carl Eugen und seine Gemahlin Franziska v. Hohenheim vergrößerten die Anlage danach beträchtlich. 1783 ließen sie ein Lustschloss mit Gartenanlage im Mansarden-Stil erbauen: Es war ein einfaches zweistockiges Wohnhaus – im Winter auch Unterkunft für Fasanen. Ab dieser Zeit wurde aus der Fasanerie der „Fasanenhof“.

Zu Herzog Carl Eugen ist zu sagen, dass er ein ganz schlimmer Tyrann war, der außerdem ein ausschweifendes Leben führte. Das Mätressenwesen gehörte zu seinen Vergnügungen. Durch seine Liebschaften u.a. auch mit Töchtern aus unteren Ständen blieb es auch nicht aus, dass daraus eine ganze Anzahl an Nachwuchs entsprang, deren Mütter mit einem Betrag von 50 Gulden „entschädigt“ wurden.
Sein Hofstaat umfasste ca.2000 Personen. Dazu kamen etwa 600 Pferde. Durch die vielen Jagden, die er veranstaltete, wurden viele Felder zerstört; den Untertanen war es bei Strafe verboten, etwas dagegen zu unternehmen. Viele seiner jüngeren Untertanen verkaufte er als Soldaten ins Ausland; teilweise wurden diese dazu gezwungen. Sie mussten zum Teil unter unmenschlichen Bedingungen ihren Dienst verrichten.
Erst durch die Begegnung mit Franziska v Hohenheim im Jahre 1761 veränderte sich Carl Eugens Wesen etwas. Franziska wurde Eugens wichtigste Mätresse und sie übte großen Einfluss auf ihn aus.
Sie weckte in ihm pädagogische Neigungen und so gründeten sie gemeinsam die Karlsschule (Militär-Pflanzschule). Damit wollte Eugen offensichtlich seinen illegitimen Nachkommen zu einer günstigen Ausbildung verhelfen.

Franziska gilt auch als historisches Vorbild für die Lady Milford in „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller. Die Parallelen sind darin zu sehen, dass beide einem verarmten Adelsgeschlecht entstammten. Sie übten einigen Einfluss auf die Fürsten aus und wollten dem unter¬drückten Volk helfen. Doch im Gegensatz zu Lady Milford verlässt Franziska v. Hohenheim ihren Fürsten nicht und heiratet ihn nach dem Tod seiner rechtmäßigen Frau 1786.

 

"Vue de la Floride"
Kolorierter Kupferstich von Nicolaus Heideloff nach einer Zeichnung von Victor Heideloff, Ende 18. Jahrhundert, stadtgeschichtliche Sammlung.)

 

Nach dem kleinen Exkurs aus Eugens und Franziskas Leben zurück zu unserem Fasanenhof:

1796 ließ Dorothee Sophie, die Gemahlin seines Bruders Friedrich Eugen den Park neu anlegen mit einem künstlichen See und zwei Inseln. (Im „alten“ Park kann man heute noch eine Vertiefung erkennen, die aus dieser Zeit stammen könnte.). Auf einer dieser Inseln stand eine Moschee, auf der anderen ein Tempel zu Ehren der Blumengöttin Flora. Nach dieser wurde die Anlage „Floride“ genannt. In dieser Zeit entstand auch ein 4-km langer Weg von Hohenheim zum Fasanenhof, das „Fasanensträßle“).

1799 ging der Fasanenhof in Privatbesitz an den Kanzleiadvokaten Karl Ludwig Heigelin über, nach dem eine Straße benannt wurde.
Nach dessen Tod kaufte Förster Hammer 1805 die Domäne für 15.000 Gulden. Der Besitz wurde in ein landwirtschaftliches Gut umgewandelt. Das Areal wurde abgeholzt, Äcker und Weiden angelegt und später kamen Viehbestand und eine Käserei hinzu.

1833 wurde die erste amtlich ermittelte Bevölkerungszahl erwähnt: 3 Personen

1854 Verkauf an die königliche Hofkammer für 27.675 Gulden

1928 wurde die Domäne in Pacht von einer Zuckerfabrik aus Stuttgart-Münster (spätere Südzucker AG) übernommen, die auf den Feldern Zuckerrüben vorwiegend von polnischen Arbeitern anbauen ließ.

Um 1930 gab es erste Pläne zur Bebauung des Fasanenhofes von der Stuttgarter Stadtverwaltung

1936 Bau der Reichsautobahn, der heutigen A8 – Trennung von Leinfelden-Echterdingen und Stuttgarter Gemarkung

1939/1940 Versuch der SA-Gruppe (Sturmabteilung) eine Siedlung zu errichten als billiger Wohnraum für alte SA-Kämpfer und SS-Angehörige

1940 Stadt Stuttgart erwirbt Areal des Fasanenhofes als künftiges Siedlungsgebiet von der Hofkammer des Hauses Württemberg. (Mitwirkung beim Architektenwettbewerb Europaplatz). Stuttgarts OB Strölin sah erhöhten Bedarf an Wohnraum nach Kriegsende und ließ Bebauungspläne erstellen.

1959 Bebauungsplanbeschluss für die Siedlung Fasanenhof für ca. 10.000 Einwohner

1960 Bau einer Verbindungsstraße Fasanenhof – Möhringen

1960-1967 Entstehung des Stadtteils. Beginn der Neuzeit des Fasanenhofs.

 

Kreisauer Weg

Seit September 2010 fährt die Straßenahnlinie U6 im 10 Minutentakt in den Fasanenhof, teils unterirdisch. Über der Stadtbahnlinie verläuft die "neue Mitte" des Fasanenhofes, ein grünstreifen der zum Flanieren einlädt.

2016 war die Umgestaltung des Europaplatzes abgeschlossen und neue Wohnungen geschaffen. Heute (2017) wohnen rund 7.500 Menschen auf dem Fasanenhof.